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Auf der ganzen Welt zu Hause

Interview

Auf der ganzen Welt zu Hause

Der Schausteller Michael Barth betreibt mit seiner Familie den Olympia Looping – die größte mobile Achterbahn der Welt, die heuer wieder im Wiener Wurstelprater zu erleben ist. Im Interview erzählt er uns, was seinen Beruf besonders macht, wie er Wien erlebt und was er im Prater ändern würde, wenn er könnte.

Lieber Michi, danke erst amal für das Interview. Erzähl uns doch ein bissl was über dich.

Mein Name ist Michael Barth und ich bin 24 Jahre alt. 2016 war ich das erste Mal im Wurstelprater, um den Olympia Looping aufzubauen. Seitdem ist Wien zu einer meiner Lieblingsstädten geworden, wegen der Kultur, der Stadt an sich – es ist so ruhig und ordentlich hier – und wegen der Menschen.

Wie bist du denn in Wien aufgenommen worden?

Als ich das erste Mal hier war, kannte ich niemanden und da habe ich die Wiener sehr freundlich erlebt und wurde gut aufgenommen. Das hat mir natürlich gefallen. Ich schätze die Menschen in Wien wirklich sehr.

Unter Kollegen habe ich schon auch oft das Wort Piefke gehört und war mir anfangs nicht sicher, was das bedeuten soll. Ich habe dann aber schnell verstanden, dass sie es mir gegenüber als Witz meinen und mich davon nicht angegriffen gefühlt.

Du stammst aus einer Schaustellerfamilie. Was betreibt deine Familie denn alles?

Mein Bruder und ich sind die sechste Generation der Schaustellerfamilie Barth. Unsere Vorfahren haben damals angefangen mit einem kleinen Mandelbetrieb. Weiter ging es von Autoscooter über die ersten Achterbahnen bis hin zum Olympia Looping, der größten mobilen Achterbahn der Welt.

Seit 1998 betreiben meine Familie und ich den Familien- und Freizeitpark Taunus Wunderland in Hessen. In den letzten Jahren haben wir dort zwei neue Attraktionen eröffnet, den Wundergleiter Simulator und die Familienachterbahn Kuhddel Muuuhddel.

Wie ist es, in einer Schaustellerfamilie aufzuwachsen?

Also aufgewachsen bin ich zu Hause in Deutschland – ich bin normal in die Schule gegangen und habe da meinen Realschulabschluss beendet. In den Ferien bin ich aber schon damals viel unterwegs gewesen. Natürlich habe ich meine Freunde da unterwegs vermisst, aber trotzdem haben mir die neuen Städte, die neuen Leute und die neuen Kulturen sehr gefallen. Und das Erkunden. Deswegen bin ich auch in die Fußstapfen meiner Eltern getreten – weil mir das alles so viel Spaß macht.

Mein Bruder und ich sind sehr früh in den Betrieb eingestiegen und haben auch schnell sehr viel Verantwortung übernommen. Wir hätten nicht müssen, weil der Betrieb durch unsere Eltern, die Betriebsleiter und die Mitarbeiter sehr gut gelaufen ist. Aber wir wollten.

Was liebst du an deinem Leben als Schausteller?

Mein Leben ist jeden Tag anders. Man lernt jeden Tag neue Leute kennen und es gibt jeden Tag neue Herausforderungen mit Mitarbeitern und Gästen. Und dann kommt so etwas wie die Pandemie ums Eck und stellt das Leben komplett auf den Kopf.

Der Beruf der Schausteller ist einfach einzigartig. Kein Bürojob. Was es für mich so besonders macht ist, dass man laufend in neue Städte und neue Länder fahren kann, seine Fahrgeschäfte ausstellt und sieht, wie die Leute begeistert sind. Und dann kann man obendrauf auch noch Geld damit verdienen.

Im Prater habts ihr heuer wieder den Olympial Looping ausgestellt. Wie oft habts ihr den schon auf- und wieder abgebaut? Oder zählt man da gar nicht mehr mit?

Der Olympia Looping ist heuer in seiner 33. Saison im Einsatz. Die ersten Jahre wurde er vier bis acht Mal pro Saison auf- und abgebaut. Das heißt, er wurde sicher schon 100-mal seit seinem Bestehen auf- und abgebaut. Hier im Wurstelprater steht er jetzt schon zum dritten Mal – aber für die ganze Saison.

Was war die größte Entfernung, die der Olympia Looping je zurückgelegt hat?

Die größte am Stück zurückgelegte Entfernung war innerhalb Deutschlands. Aber wir waren auch in Frankreich, England oder Österreich sehr viel unterwegs. Wien ist von unserem Stützpunkt in Euskirchen weit entfernt, das sind ca. 1.000 Kilometer. Nach London sind es ca. 800 Kilometer, mit der Fähre.

Wir hatten auch schon Anfragen von noch viel weiter weg, zum Beispiel aus Dubai. Aber da haben wir dann aus zeitlichen Engpässen abgesagt. Das wäre auch logistisch ein irrsinnig großer Aufwand gewesen.

Wenn du selbst ein Fahrgeschäft wärst, welches wärst du, und warum?

Also wie ihr mitbekommen habt, bin ich ja aus der Achterbahnszene. Meine Familie und ich hatten in den letzten Jahrzehnten unglaublich viel mit Achterbahnen zu tun. Dadurch schlägt mein Herz natürlich für die Achterbahn. Es gibt aber auch noch viele andere interessante Fahrgeschäfte, wie den Kettenflieger mit über 100 Metern Höhe.

Es gibt Leute, die mögen den Kick, aber auch andere, die mögen es nicht rückwärts oder kopfüber. Deshalb wäre ich am liebsten eine Familienachterbahn. Da spricht man die ganze Familie an, wenn sie zusammen Spaß haben will. Das wird im Privatleben viel zu oft vernachlässigt und jeder macht sein eigenes Ding. Und ich finde, man sollte viel mehr mit der Familie gemeinsam unternehmen!

Jetzt kennst du den Prater ja schon ein bissl. Was würdest du ändern, wenn du die Chance hättest?

Ich bin jemand, dessen Leben sehr geordnet sein muss – das Geschirr hat seinen fixen Platz in der Küche und die Hemden ihren fixen Platz im Kasten. Der Prater im Gegenzug ist auf so viele Parzellen aufgeteilt, verwinkelt und auch etwas verwirrend.

Ich fände es super, wenn es zum Beispiel einen organisierten Rundgang geben würde, bei dem der Gast alles sieht und nicht nur die klassische Route vom Riesenrad bis zum Schweizerhaus. Es gibt viele Ecken, die viele Gäste einfach gar nicht entdecken.

Mir würde auch gefallen, wenn man dem Gast Einblicke hinter die Kulissen geben würde, in die Technik etwa. Weil davon sieht man nie etwas.

Was denkst du, muss man im Prater tun, wenn man einen Tag hier verbringt?

Im Prater gehört auf jeden Fall eine Fahrt mit dem Riesenrad dazu, finde ich. Dann natürlich auch eine Fahrt mit der ältesten Hochschaubahn, der rasantesten Kopfüberbahn und mit dem Freifallturm. Man sollte auch Sachen probieren, die man vorher noch nie versucht hat. Einfach wirklich neues ausprobieren. Und man muss im Wurstelprater vom Langos bis hin zur Stelze alles verkosten – so wie bei einem Urlaub in einer fremden Stadt.

Was sind deine Projekte für das kommende Jahr?

Im Taunus Wunderland sind wir immer viel am Arbeiten und Erschaffen. Es steht jetzt gerade nichts Großes an, aber es wird laufend alles verschönert, modernisiert und an die Gäste angepasst. Und neben dem Olympia Looping in Wien betreiben wir auch ein Riesenrad in Deutschland und haben mit diversen Weihnachts- und Sommermärkte sehr viel zu tun.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass es meiner Familie und mir gut geht. Dass wir vielen Gästen mit unseren Betrieben Freude bereiten. Und dass sich unsere Gäste immer wohlfühlen.

Danke dir!

 

Zur Person:
Michael Barth ist am 29.4.1998 in eine bekannte deutsche Schaustellerfamilie geboren worden. In Deutschland betreibt Michael mit seiner Familie den Familien- und Freizeitpark Taunus Wunderland mit vielen aufregenden Fahrgeschäften. In Wien ist ihr Olympia Looping heuer zum dritten Mal zu Gast.

 

Fotocredits: Wolfgang Payer, Taunus Wunderland