Wurstelpraterkultur ist immaterielles UNESCO-Kulturerbe
Am 17. Oktober 2026, dem Internationalen Tag des Immateriellen Kulturerbes, wurde es offiziell: Die Österreichische UNESCO-Kommission nimmt die Wiener Wurstelpraterkultur in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf!
Vor knapp zwei Jahren wurde die Idee geboren, dem Kulturgut ein Denkmal zu setzen. Dass die Wiener Wurstelpraterkultur nun als Immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt wurde, ist einer der schönsten Höhepunkte des 260 Jahre Wiener Prater Jubiläumsjahr. "Wir sehen darin eine Würdigung unserer Vergangenheit, aber vor allem Rückenwind für die Zukunft", betont Silvia Lang, Präsidentin des Wiener Praterverbandes.
Großen Dank spricht der Praterverband den Unterstützer*innen der Bewerbung aus: den Praterfamilien, dem gesamten Praterverband Team und speziell auch Dr. Ursula Storch und Univ.-Doz. Dr. Werner Michael Schwarz, die mit fachlichen Begleitschreiben unterstützt haben.
Was ist die Wiener Wurstelpraterkultur?
Wie der Name schon vermuten lässt, geht es dabei ausdrücklich nicht um den Wurstelprater als Ort, sondern um das Wissen rund um die im Wurstelprater gepflegte Kultur des Vergnügens. Seit 1766 wird sie von Generation zu Generation weitergegeben und hoch gehalten. Die Wurstelpraterkultur kennzeichnet sich durch ein dynamisches Zusammenspiel vieler einzigartiger Aspekte. Neben dem ungewöhnlichen und besonderen Leben der Praterbetreiber*innen spielt auch die gesellschaftliche Bedeutung eine große Rolle. Die Wurstelpraterkultur ermöglicht und lebt seit jeher die Begegnung von Menschen – jung trifft alt, Tourist*innen treffen Einheimische, mutig trifft gemütlich, Geld trifft Sparsamkeit, Junggesellenabschied trifft Schulklasse, bunt trifft konservativ, Betreiber*innen treffen Besucher*innen,...
Ob beim Familienausflug, bei religiösen Festen oder beim Beisammensein in den Lokalen – im Prater nehmen die Besucher*innen eine Auszeit vom Alltag. Deshalb beinhaltet die Wurstelpraterkultur auch das Wissen der Betreiber*innen, ihr spezifisches Gespür für die Besucher*innen, die typische Wiener Gastlichkeit und den sprichwörtlichen Wiener Schmäh. Die Bedeutung des Wurstelpraters reicht weit über den Ort selbst hinaus – mehr als 300 Musikstücke, literarische Werke sowie internationale Filmklassiker unterstreichen die Strahlkraft des Ortes.
„Der Wurstelprater war immer ein Ort für alle. Menschen unterschiedlichster Generationen und Herkunft kommen hier zusammen, um gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen. Diese Offenheit gehört genauso zu unserer Wiener Wurstelpraterkultur, wie unsere Familiengeschichten und unser Wissen über das Schaustellerwesen“, erklärt Silvia Lang und verweist darauf, dass viele Familienbetriebe nicht nur seit Generationen im Wurstelprater arbeiten, sondern auch hier leben. "Kinder wachsen hier auf, lernen von ihren Eltern und Großeltern und entwickeln dieses Wissen weiter. Gleichzeitig müssen wir immer am Puls der Zeit bleiben und uns jede Epoche neu erfinden. Genau diese Verbindung aus Tradition und ständiger Weiterentwicklung prägt die Wiener Wurstelpraterkultur."
Was bedeutet immaterielles Kulturerbe?
Immaterielles Kulturerbe ist lebendig. Es reicht von mündlich überlieferten Traditionen, darstellenden Künsten, gesellschaftlichen Ritualen und Festen bis hin zum Wissen um die Natur oder Handwerkskünste. Es wird von menschlichem Wissen und Können getragen und von einer Generation an die nächste weitergegeben. Immaterielles Kulturerbe prägt das gesellschaftliche Zusammenleben und leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von Gesellschaften. Und genau das macht es auszeichnungs- und schützenswert.
Auf der Website der UNESCO kannst du dich in das Thema vertiefen und im Verzeichnis stöbern: Immaterielles Kulturerbe auf unesco.at
Worte der Anerkennung
Groß ist die Freude auch von offizieller Seite:
Der Wiener Wurstelprater ist ein Stück Lebensgefühl, das man nirgendwo sonst findet. Dahinter stehen die Praterfamilien, die über Generationen hinweg Traditionen weitergeben, Neues wagen und Menschen aus aller Welt willkommen heißen. Die Aufnahme als immaterielles Kulturerbe würdigt vor allem sie.
Elisabeth Zehetner, Tourismus-Staatssekretärin
Es ist eine bemerkenswerte Auszeichnung von internationaler Strahlkraft und obendrein ein wunderschönes Geburtstagsgeschenk zu seinem 260-jährigen Jubiläum. Der Prater ist weit mehr als eine Freizeitattraktion. Er ist bedeutende Arbeitgeber*in, Heimat zahlreicher Familienbetriebe und ein Ort, an dem Tradition, Unternehmer*innen-Geist und Lebensfreude seit Generationen weitergegeben werden.
Barbara Novak, Vizebürgermeisterin und amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales
Ausgezeichnet wird nicht der Ort des Praters als solcher, sondern die lebendige Kultur, die ihn prägt: das Wissen, die Praktiken und das Zusammenspiel zwischen Betreiber*innen und Besucher*innen. Der Wurstelprater ist seit Generationen von Schausteller*innen- und Betreiber*innen-Familien getragen, die ihr Können und ihre Erfahrungen weitergeben und gemeinsam mit den Besucher*innen jene besondere Praterstimmung schaffen, die Wien so unverwechselbar macht. Nicht zuletzt leistet auch das Pratermuseum einen wichtigen Beitrag, indem es die Geschichte, Vielfalt und Bedeutung der Wurstelpraterkultur sichtbar macht.
Veronica Kaup-Hasler, amtsführende Stadträtin für Kultur und Wissenschaft
Ich freue mich sehr, dass die Wiener Wurstelpraterkultur nun die Anerkennung bekommt, die ihr zweifelsohne gebührt. Wien und die Leopoldstadt wären ohne den Prater nicht dasselbe.
Alexander Nikolai, Bezirksvorsteher Leopoldstadt
Wir freuen uns über die Würdigung der Wiener Wurstelpraterkultur als immaterielles Kulturerbe durch die Österreichische UNESCO-Kommission. Es sind diese einzigartigen Kulturgüter und Traditionen, die den Erfolg Wiens als Tourismusstandort entscheidend prägen.
Norbert Kettner, WienTourismus Geschäftsführer
Fotocredits: Stadt Wien/Rene Wallentin; Philipp Neuherz