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In Gedenken an Walter Pondorfer

In Gedenken an Walter Pondorfer

Ein Fremder aus Tirol, der keine Verbindungen zum Prater hatte und aus eigenen Stücken auf die Idee kam, die höchsten und aufregendsten Fahrgeschäfte zu bauen. So beginnt Roland Girtler in seinem Buch "Streifzug durch den Wiener Wurstelprater" das Kapitel über Walter Pondorfer. Walter Pondorfer war Mechaniker, Dachdecker und Visionär. Die vielen Fahrgeschäfte, die er nicht nur kreierte und betrieb, sondern zum Teil auch quer über den Globus verkaufte, sind Zeugnis seiner Kreativität und Leidenschaft. Leider werden wir nicht mehr erfahren, welche verrückten und innovativen Ideen Walter noch erdacht und realisiert hätte.

Am 4. Juni 2026 ist Walter Pondorfer viel zu früh aus dem Leben gerissen worden. In größter Wertschätzung werden wir ihn als leidenschaftlichen Kletterer, Erfinder, Weiterdenker, großzügigen Menschen und Teil unserer Pratergemeinschaft in Erinnerung behalten. Unsere tiefe, herzliche Anteilname gilt seiner Familie und seinen Wegbegleiter*innen.

Danke Walter, dass du uns gezeigt hast, was alles möglich ist.

🕯  Parte und digitales Kondolenzbuch

Walter Pondorfer: Kirchturmdecker, Erfinder, Schausteller

Walter Pondorfer wurde am 12. Juli 1961 in Osttirol geboren. Sein Vater war Kirchturmdachdecker und Zimmermann, seine Mutter führte eine Pension. Mit 15 Jahren begann er eine Lehre zum Mechaniker, mit 22 Jahren gründete er seine erste eigene Firma – eine Kirchturmdachdeckerei. Die Firma des Vaters, welche vorrangig im Westen Österreichs tätig war, übernahm sein Bruder.

Walter Pondorfer zog es in den Osten – nach Wien und nach Niederösterreich. Seinen ersten eigenen Auftrag bekam er vom Stift Klosterneuburg. Er legte größten Wert darauf, anständige und sauberer Arbeit zu vollbringen. Und er packte überall selbst an. „Ich habe von keinem Arbeiter etwas verlangt, was ich nicht auch selbst mache“, wird er von Roland Girtler zitiert.

Von Kugeln und Gummiseilen

Erst durch eine Verkettung vieler Zufälle ist Walter Pondorfer zum Schausteller geworden. Während einer Reise mit seinem damaligen Schwiegervater, stolperte er zufällig über die Toronto State Fair. Dort beobachtete er Menschen, die in Kugeln an Gummiseilen in die Höhe geschossen werden. Die sind verrückt, dachte er. Was als Skepsis begann, entwickelte sich umgehend zu Faszination. So nahm er nach einem Bier all seinen Mut zusammen und stieg selbst in eine der Kugeln.

Zum damaligen Zeitpunkt hatte Walter Pondorfer persönlich noch nichts mit dem Wurstelprater zu tun. Aber die Kugelkonstruktion ließ ihn nicht los und ihm kam der Gedanke, dass eine solche Attraktion perfekt in den Wiener Vergnügungspark passen würde.

Wenn ein Plan allein nicht reicht

Vom Besitzer der Attraktion erwarb Walter Pondorfer später die Pläne. Rasch zeigte sich jedoch, dass diese nicht in der Form in Österreich umgesetzt werden konnten – sie mussten an die lokalen Rahmenbedingungen und Vorgaben angepasst werden. Gemeinsam mit seinem Team berechnete er die Anlage neu und entwickelte eine eigenständige Konstruktion. Um die Umsetzung des Projekts voranzutreiben, gründete er mit zwei Partnern eine Gesellschaft.

Der erste Versuch die Attraktion auf der Donauinsel zu realisieren, scheiterte zwei Tage vor Beginn des Donauinselfests. Walter Pondorfer ließ sich davon jedoch nicht entmutigen. Er glaubte fest an sein Vorhaben.

Alle guten Dinge sind drei

Nach einigen Umwegen eröffnete sich Walter Pondorfer schließlich die Möglichkeit, seine Vision zu verwirklichen. Die Kugel-Attraktion begeisterte auch andere, die sie im Prater sehen wollten. Mit deren Unterstützung gelang es ihm, die Kugel-Maschine (wie er sie selbst umgangssprachlich nannte) im dritten Anlauf zu realisieren. Mit ihrer Eröffnung im Jahr 1995 wurde Walter Pondorfer offiziell Teil des Wurstelpraters und legte damit den Grundstein für seine Schaustellerkarriere.

Als leidenschaftlicher Tüftler und Optimierer strebte er danach, seine Konstruktionen laufend weiterzuentwickeln und technisch zu verfeinern. So ersetzte er die ursprünglich verwendeten Gummiseile der Kugel-Attraktion bereits nach kurzer Zeit durch ein von ihm entwickeltes Stahlfedersystem, das sich als deutlich langlebiger erwies. Diese Innovation ließ er schließlich patentieren.

In Folge begann er, weitere Maschinen zu kreieren. „Wenn ich eine neue Maschine baue, denke ich nicht darüber nach, ob sie wirtschaftlich ist oder nicht. Ich baue sie, weil es mir Spaß macht. Wenn die Idee gut ist, kommt der Rest von alleine.

Das höchste Ringelspiel

Walter Pondorfer hatte eine ausgeprägte Begeisterung für hohe Höhen. Während seiner Zeit als Kirchturmdecker, verbrachte er viele Stunden hoch über den Dächern. Als er nun, Jahre später, auf einer Messe in Italien ein Kinderkarussell und einen hohen Turm sah, entstand die Idee, beides miteinander zu verbinden. „Das könnte eine Sensation werden“, dachte er sich. Schlussendlich entstand aus dieser Vision der StarFlyer – wie das heutige Modell des Prater Turms offiziell heißt.

Die erste Version seines Riesenringelspiels realisierte Walter Pondorfer in Folge mit einer Höhe von 72 Metern im Prater. Die Eröffnung fand 2004 statt. Der Prater Turm, so wie du ihn wahrscheinlich kennst, wurde 2010 im Wurstelprater eröffnet und markierte mit 117 Metern die zweite Generation der StarFlyer. Hier war jedoch noch nicht Schluss – die aktuell höchste Ausführung mit 140 Metern steht in Dubai.

Superleute mit Hausverstand

Sein Anspruch, saubere und akkurate Arbeit zu liefern, half Walter Pondorfer auch im Schausteller-Business, in dem Sicherheit an oberste Stelle steht. Besonders stolz war er auch auf seine Mitarbeiter, auf deren Engagement und Kompetenz er sich verlassen konnte – einerseits als Sparringpartner in Planungsphasen zu neuen Attraktionen und andererseits auch als Vertretung, wenn er selbst längere Zeit im Ausland war.

Die vielen Kreationen des Walter Pondorfer

Wenn du den Wurstelprater kennst, sagt dir sicher die Black Mama etwas. Auch sie ist eine von Walter Pondorfer‘s Kreationen und seit 2011 ein Publikumsliebling bei Nervenkitzel-Fans. Ebenfalls aus seiner Feder stammen Tornado, BergRallye Gokart und Turbo Booster Kingsize. Sie alle werden von Walter Pondorfers Firma FUN Vergnügungsbetriebe GmbH im Prater betrieben. Der Wiener Freifallturm – als Skyfall vielfach weltweit verkauft – stammt ebenfalls vom Tiroler Erfinder. Betrieben wird das Modell im Prater von Koidls Vergnügungsbetrieben. Zu seinen weiteren Erfindungen zählen: Vomatron, SkyDiver, Chaos Pendle, The Bell und Rocket.

Walter Pondorfer liebte den Wiener Wurstelprater in all seinen Facetten. Er arbeitete unermüdlich, war aber zugleich jemand, der gerne mitten im Geschehen verweilte, das bunte Treiben beobachtete und das besondere Flair des Praters genoss. Sein Humor und seine Lebensfreude zeichneten ihn aus – nicht selten waren Sätze wie „Es ist schon Glück, kein Pech zu haben“ oder „The show must go on“ von ihm zu hören. Diese Haltung prägte nicht nur seinen beruflichen Werdegang, sondern auch seinen Umgang mit den Herausforderungen des privaten und beruflichen Lebens.

Wenn du mehr über Walter Pondorfer erfahren möchtest, sei dir Roland Girtlers Buch Streifzug durch den Wiener Wurstelprater ans Herz gelegt, das 2016 anlässlich des 250. Jubiläums des Praters erschien.

Für nähere Informationen zu den Fahrgeschäften von Funtime, wirf einen Blick auf funtime.com.au

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Wir danken Roland Girtler für die Erlaubnis zur Verwendung der Zitate.

Fotocredits: prater.at/Archiv; prater.at/Tasharofi