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Das zweite Leben des Praterwals

Es war einmal

Das zweite Leben des Praterwals

Kannst du dich noch an das Gasthaus “Zum Walfisch” erinnern? Bis 2013 war es eine Institution und, nach dem Schweizerhaus, das zweitgrößte Lokal im Wiener Wurstelprater. Aber seit wann stand es eigentlich im Prater? Und was hat es mit dem Wal und seinem zweiten Leben auf sich?

Zwei Knochen und ein Karussell

Zum ersten Mal findet das Gasthaus auf einem Plan aus den 1782ern Erwähnung. Über die folgenden Jahrzehnte (und Jahrhunderte) wurde es von wechselnden Besitzer*innen immer wieder umgebaut und erweitert – unter anderem mit einem Karussell und einer Schaukel. Ende des 19. Jahrhunderts betraten Gäste das Lokal durch einen großen Torbogen. Dieser bestand aus einer Rippe und dem Unterkieferknochen eines 1895 im Beringmeer gefangenen Wals (📷 im 1. Bilderkarussell siehst du Aufnahmen aus den Jahren 1926-1932).

Dann kam der 2. Weltkrieg, der in seinen letzten Tagen auch den Wiener Wurstelprater schwer traf. Wie unzählige andere Gebäude und Attraktionen, war auch das Gasthaus “Zum Walfisch” betroffen und brannte im April 1945 vollständig ab. Aber das sollte nicht das Ende des Lokals gewesen sein.

Ein Wal mitten im Prater

Im Jahre 1951 wurde das Gasthaus von einem Wiener Architekturbüro komplett neugestaltet und wiederaufgebaut. Der Entwurf für die Walskulptur, die zukünftig auf dem Dach thronen sollte, kam von Maria Benke, einer jungen Absolventin der Universität für Angewandte Kunst Wien.

Die imposante, fast 10 Meter lange (um genau zu sein, misst sie 9,2 x 2,7 x 3,2 m) und 1,4 Tonnen schwere Skulptur wurde aus Holz und Kupferblech gefertigt. Sie hatte zwei technische Highlights zu bieten: die Augen leuchteten in der Dunkelheit blau und in regelmäßigen Abständen blies der Wal eine Wasserfontäne aus seinem Blasloch.

Den ersten großen Auftritt hatte der Wal übrigens bereits auf seinem Weg in den Prater. Sein Aufsehen erregender Transport über die Zweierlinie wurde nämlich vom Bierlieferanten des Gasthauses, der Brauerei Gösser, filmisch festgehalten und anschließend werbetechnisch verarbeitet.

Über mehr als 60 Jahre war der Wal dann ein richtiger Hingucker und Orientierungspunkt im Wurstelprater (📷 im 2. Bilderkarussell findest du Aufnahmen aus den Jahren 1956-2013).

Das Ende einer Ära

2013 war dann Schluss mit lustig, das Gasthaus “Zum Walfisch” wurde abgerissen und der beeindruckende Wal fürs Recycling freigegeben. Das jedoch verhinderte der damit beauftragte Besitzer der Bau- und Abrissfirma – er bewahrte die Skulptur vor ihrem Ende und lagerte sie auf seinem firmeneigenen Gelände.

Als Praterunternehmer*innen den Wal dort drei Jahre später (wieder-) entdeckten, war die Begeisterung groß und die Skulptur wurde nach kurzen Verhandlungen dem Wien Museum als Schenkung übergeben. Dem Platzmangel geschuldet, konnte der Wal im Museum aber nicht ausgestellt werden. Stattdessen wurde er ins Museumsdepot in Himberg gebacht und dort in den Folgejahren auch restauriert. Um für seinen zukünftigen Bestimmungsort gerüstet zu sein, wurde der Wal im Inneren durch Holzbalken und eine Stahlrohrkonstruktion stabilisiert. Damit erhöhte sich auch sein Gesamtgewicht auf 1,7 Tonnen.

Des Wals neue Bestimmung

Ins Rampenlicht kam der Wal erst heuer wieder, als er am 19. Juli 2022 von Himberg zu seiner neuen Heimat transportiert wurde. Derzeit ist das Wien Museum am Karlsplatz zwar noch eine Baustelle, aber auf Grund seiner Größe musste der Wal schon jetzt in das Gebäude gehievt werden (📷 im 3. Bilderkarussell findest du Aufnahmen von seiner Reise ins Museum). Zum Schutz in ewig viele Meter Transportfolie gewickelt, wurde er mittels Kran in das Museum gehoben, das Ende 2023 seine Wiedereröffnung feiern wird.

In der großen Halle des Wien Museums wird der Praterwal zukünftig in Gesellschaft von 2.000 anderen, geschichtsträchtigen Objekten von der Decke baumeln. Unter den weiteren Ausstellungsstücken werden unter anderem die Originalfiguren des Donnerbrunnens, die Galakutsche des Bürgermeisters, das Modell St. Stephan und der Südbahnhof-Schriftzug sein.

Nach Eröffnung des neuen Wien Museums werden wir diesen Beitrag natürlich um weitere Fotos ergänzen.

Wenn du mehr über die Vergangenheit des Wurstelpraters erfahren möchtest, schau doch mal bei unserer Pratergeschichte vorbei! Die Reihe “Es war einmal” werden wir übrigens fortsetzen 🤩🤟

So viele Fotos verlangen ein großes Dankeschön

Ein Artikel mit so vielen Fotos – noch dazu weit weit aus der Vergangenheit – bedarf natürlich einer Vielzahl an Quellen. Besonders herausheben möchten wir an dieser Stelle die Topothek und ihren Initiator Alexander Schatek. Wenn du ein Faible für den Blick in die Vergangenheit hast, schau unbedingt in diesem großartigen Online-Archiv vorbei!

Und jetzt die Fotocredits der Reihe nach:
Ansichtskarte 1926, ©Archiv Topothek
Ansichtskarte 1928, ©Archiv Topothek
Ansichtskarte 1930, ©Archiv Topothek
Ansichtskarte 1932 x2, ©Archiv Topothek
Ansichtskarte 1937, ©Archiv Topothek
Foto 1950, ©Archiv Topothek
Foto 1956, ©Thomas Sittler
Ansichtskarte 1956, ©Archiv Topothek
Foto 1960, ©Thomas Sittler
Dia 1995, ©Archiv Topothek
Foto 90er, ©Archiv prater.at
Fotos 2008 x2, ©Hannes Hochmuth
Foto 2013, ©Stefan Sittler-Koidl
Transport, Fotos 2022, ©Kollektiv Fischka/Wien Museum
Transport, Foto 2022, ©Florian Wieser/apa
Walfisch, Foto ©Birgit + Peter Kainz/Wien Museum

Wenn du es bis hier her geschafft hast, wirst du noch mit einer tollen Ganzkörperaufnahme des Wals belohnt: